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Grosser Bahnhof in den beiden Reithallen

Hier die Bilder dieses aufregenden Tages

(Daniela Deck) – Für ihren ersten Fernseh-Werbespot hat sich die Paraplegikerstiftung Grenchner Reitställe als Kulisse ausgesucht

«WIR MÜSSEN den Ponys die Reithalle zuerst ohne Reiter zeigen», ruft Helferin Petra Lempen durch den Stallgang. Es besteht die Gefahr, dass die Tiere durch die ungewöhnlichen Vorgänge scheuen. In der alten Reithalle ist am Sonntag schon um 5.30 Uhr Tagwache. Mächtige Scheinwerfer leuchten die Halle bis ins Detail aus. Eine private Filmcrew hat von der Paraplegikerstiftung den Auftrag erhalten, an diesem Tag einen Werbefilm zu drehen. Die Hauptrolle spielt Sabrina Laubscher. Die querschnittgelähmte junge Reitlehrerin arbeitet zwar im Stall Kronwall, doch dessen Reithalle kann mit dem Charme der einstigen Kavalleriehalle an der Dählenstrasse nicht konkurrieren. Deshalb findet ein Teil der Aufnahmen hier statt.

DIE SORGE um die Ponys ist unbegründet. Nach zwei, drei Runden ohne Reiter marschieren sie brav vor dem Kamerateam im Kreis. Ihre jungen Reiterinnen wurden, wie auch die Hauptdarstellerin, von einer professionellen Visagistin geschminkt. Sabrina Laubscher muss vorsichtig in den Sattel ihres Pferdes gehievt werden. Der Hydrauliklift, der es ihr am Arbeitsplatz erlaubt, selbstständig vom Rollstuhl aufs Pferd zu kommen, konnte nicht transportiert werden. Als das Kunststück geschafft ist, muss, wer ihre Behinderung noch erkennen will, sehr genau hinsehen. Gelöst trabt sie an den Ponys vorbei.

«WUNDERSCHÖN dieses Bild. Jetzt lächelt sie», schwärmen die Filmer derweil im Büro der Reithallenpächterin Cordelia Weber. Nur für das flatternde Kinnband von Laubschers Helm muss noch eine Lösung gefunden werden. Per Funk wird das Filmmaterial aus der Halle auf einen Bildschirm übertragen. Nach 40 Minuten drehen heisst es zum ersten Mal «Umbau». Die Kamera muss aus einem anderen Winkel aufnehmen. Weber nutzt die Gelegenheit, die Kinder die Richtung wechseln zu lassen. Vor der Halle muss Produktionsleiterin Michelle Fisera ihre Kollegen oft ermahnen, still zu sein. Nur die Kaffeemaschine, «Hauptdarstellerin » bei jedem Dreh, lässt sich nicht dämpfen.

UM 9 UHR TRIFFT der Auftraggeber ein. Christian Hamböck, Projektverantwortlicher bei der Paraplegikerstiftung, ist selbst Rollstuhlfahrer. Er erklärt die Motivation der Stiftung, im Fernsehen Präsenz zu markieren: «Marktforschungsstudien haben ergeben, dass die meisten Leute wenig über uns wissen. Mit den Werbespots wollen wir das ändern.» Diese sollen sich mit verschiedenen Themen befassen: Freizeit, Familie, Sport. «Eine gelähmte Reitlehrerin ist ungewöhnlich. So haben wir uns entschieden, mit Frau Laubscher die Premiere zu machen. » Das Material stimmt Hamböck zuversichtlich. Die Grenchner halten, was er sich von ihnen versprochen hat. Der Werbespot wird ab Anfang März auf SF1 und in Schweizer Werbefenstern bei Privatsendern ausgestrahlt.

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